Eine Anleitung für mehr Zufriedenheit

Es ist Freitag Abend. Für die meisten von uns heißt das, dass wir gerade fünf Tage gearbeitet haben. Aufgestanden, angezogen, im öffentlichen Nahverkehr und am Schreibtisch im Büro gesessen. Und wieder zurück. Viel zu früh beginnend und viel zu spät endend, so wie jeder Wochentag.

Irgendwo war heute eine Demo, oder so etwas ähnliches, bei der noch Leute gebraucht wurden oder worden wären. Das habe ich gelesen, als ich kurz mal auf mein Smartphone geschaut habe. Danach habe ich dann weiter gearbeitet. Ich bin dann stattdessen direkt nach der Arbeit einkaufen gegangen, im Edeka um die Ecke. Dann muss ich später nicht mehr aus der Wohnung nachdem ich schon aus meiner Hose bin, dachte ich mir.

Hähnchenschenkel mit weißen Bohnen, mein absolutes "feel good" Essen. Die Einkaufsliste ist kurz und die Zubereitung einfach, trotzdem fühlt sich das Essen fancy an. Früher, als ich noch mehr weniger Fleisch gegessen habe, da waren mein "feel good" Essen mit Couscous gefüllte Paprikaschoten, dazu Zucchini und Aubergine. Aber in letzter Zeit habe ich mich nun einmal sehr in dieses einfache Geflügelessen verliebt, auch wenn ich dafür Hähnchenschenkel von Wiesenhof kaufen muss, weil es keine anderen gab.

Bohnen aus der Dose müssen abgewaschen werden, das habe ich mal gelernt. Im Sieb unter dem Wasserhahn schäumen sie ein wenig, was diesen Hinweis zu bestätigen scheint. Chilischoten entkernen ist eigentlich ganz leicht. Ende ab- und längs aufschneiden und dann mit einem Teelöffel oder dem Messer Fleisch und Kerne in einer Bewegung herausschauen.

Basilikumstengel sind mindestens genau so gut wie die Blätter, davon ein paar klein Hacken. Eigentlich benötige ich in diesem Schritt des Rezeptes nur die Stengel, aber weil ich etwas faul bin hacke ich auch ein paar Blätter mir. Das schadet aber auch nicht. Oliven, es gehen auch schwarze, aber eigentlich die leicht violetten Catalana Oliven. Ich drücke die Kerne heraus, weil ich versehentlich nicht die entkernten gekauft habe. Das sieht dann etwas matschig aus, aber wird eh gehackt.

Und dann vermengt. Alles zusammen mit Olivenöl und den Bohnen in eine Auflaufform oder einen Brüter. Hähnchen abwaschen und von außen mir Öl, Salz, Pfeffer und Rosmarin würzen und auf die Bohnen legen. Das war es schon. Schön einfach.

Das ganze kommt dann 90 Minuten in den auf 180 Grad vorgeheizten Ofen. Viel Zeit zum Warten. In der Zeit lässt sich zum Beispiel Musik hören, vielleicht Warpaint oder die Swans. Etwas melancholisch und düsteres bietet sich an, um die Woche zu beenden und langsam ins Wochenende zu entgleiten. Um den Moment noch etwas mehr zu zelebrieren höre ich eine Schallplatte.

90 Minuten sind viel Zeit, viel mehr als eine Seite einer Schallplatte mit Musik füllen kann. Ich entscheide mich für ein Nickerchen nach dem anstrengenden Tag, immerhin bin ich um 6:45 aufgestanden. 10 Minuten sind für's "napping" angeblich gut, habe ich mal gehört. Ich stelle den Wecker seit geraumer Zeit immer auf 12 Minuten. So eine Woche ist anstrengend, dann ist das schon in Ordnung mal zu schlafen. Auch, zweimal beim Wecker auf "snooze" zu drücken.

Der ziemlich billige Weißwein ist inzwischen angenehm kalt und nicht so schlecht wie ich befüchtet hatte. Das Fleisch war leider etwas unterwürzt oder zu kurz im Ofen oder so. Jedenfalls nicht perfekt. Ich habe auch den Rosmarin vergessen, aber der ist nicht so schlimm. Die wunderbaren, leicht krossen Bohnen waren dafür doch perfekt.

Freitag Abends einen Film schauen, das bietet sich zum Abschalten an. Vielleicht Alien. Ein nahezu perfekt inszenierter Film. Ich habe ihn aber neulich schon gesehen, also schaue ich Moon. Der ist auch ziemlich gut. Mir war nach Science Fiction. Alltag hatte ich schon genug. Noch lieber würde ich eigentlich etwas stumpferes, bunteres schauen, aber ich habe die Superhelden-Filme von Marvel in der letzten Woche schon alle gesehen, außer Thor 2, den fand ich langweilig und habe ihn ausgeschaltet.

Später gönne ich mir einen zweiten Film, Spike Jonzes Her und dabei etwas Ben & Jerry. Es ist wie ein Kindertraum, dieses absurd leckere Eis. Ungebackener Keksteig in der fluffigen Eiscreme, fast zu gut um wahr zu sein. Auch ziemlich teuer, ein ziemlicher Luxus. Fast 6 Euro!

Aber wenigstens weiß ich dann, wofür ich am Montag morgen um 6:45 wieder arbeiten gehe.

Sofakissen

Erfinder des Facebook-Nicknames, Profeminist, Alltagsvegetarier, Ponyfreund, Internetbewohner, Podcaster. Gratuliert nie zu Geburtstagen.