Kill la Kill

Ich will Kill la Kill wirklich mögen, aber ein paar Szenen des Animes hinterlassen ein merkwürdiges Gefühl, dass den guten Rest der Serie überschattet.

Durch ein paar überschwängliche Tweets bin ich auf die Serie aufmerksam geworden und habe mir die bisher veröffentlichten Episoden im japanischen Original mit englischen Untertiteln angeschaut.

Als disclaimer vorweg: Ich schaue nicht viele zu wenige Animes. Ich kenne ein paar Klassiker wie Neon Genesis Evangelion oder die Filme von Studio Ghibli, habe Sailor Moon gesehen und erinnere mich dunkel an ein paar kontextlose Folgen "Dragon Ball Z" im Vormittagsprogramm. Eine der Serien, die den nachhaltigsten Eindruck bei mir hinterlassen hat, ist ebenfalls ein Anime: FLCL. Besonders an letzteres fühlte ich mich bei Kill la Kill erinnert.

Ryuko, ihre Uniform Senketsu und ihr toter Vater.

Kill la Kill erzählt die Geschichte von Ryuko, die sich auf der Suche nach der Mörder*in ihres Vaters befindet. Alles was sie bei sich hat ist die Hälfte einer riesigen Schere, die sie als Schwert benutzt. Auf ihrer Suche gelangt sie an eine Elite-Akademie, die wie ein totalitäres Regime geführt wird. Mit Hilfe der lebendigen Schuluniform Senketsu, die sich von ihrem Blut ernährt, zieht sie in den Kampf gegen die Schulpräsidentin Satsuki. Ja, genau.

Inhaltlich wie stilistisch schwankt jede Folge unvermittelt zwischen völlig verschiedenen Tönen: Slapstick wechselt sich mit stilleren, nachdenklicheren Momenten und ausgiebigen Action-Szenen ab und in die Animation werden computergenerierte Effekte und verschiedene Zeichenstile zu einer Collage zusammengefügt. Die Kämpfe sind meist bizarr und werden in Sportarten ausgefochten - je nachdem, welches Clubmitglied der Akademie Ryuko gegenüber steht. Kurze nachdenklichere Momente der Ruhe werden schnell wieder vom nächsten absurden Einfall unterbrochen.

Crush! Kill! Destroy! Swag!

Ryuko ist ein Charakter voller Wut. Zu Beginn bricht sie nach Kämpfen zusammen, weil Senketsu sie zu viel Blut gekostet hat, sie aber dennoch weiter kämpfen wollte. Sie kommt bei der Familie der Schülerin Mako unter, welche sich schnell mit ihr anfreundet und ihr Spiegelbild zu sein scheint - sie ist überdreht und scheinbar völlig frei von Sorgen oder Beeinflussung durch äußere Umstände. Nachdem sich Ryuko für die Freundschaft öffnet verteidigt sie Ryuko vor ihren Gegner*innen - wenn auch nur verbal, aber voller Überzeugung. Das ist einerseits witzig, andererseits wirklich schön zu sehen wie wichtig Ryuko für Mako wird - auch unabhängig davon, dass diese ihr mehrmals das Leben rettete.

Kill la Kill ist auch eine selbstreferentielle Parodie auf all die Ideen, auf denen es selbst aufbaut. Das Seefahrer/Schulmädchen-Kostüm ist ein Anime-, und insbesondere "Magical Girl"-Klischees, wie auch die Verwandlungssequenzen der Superheld_innen. Senketsu ist in seiner mächtigen, kampfbereiten Form ein bizarr übersexualisiertes Kostüm, von dem Ryuko selbst alles andere als begeistert ist. Dieses Kostüm auch in der inneren Logik der Serie eine unnormale Erscheinung: Ständig wird sie darauf angesprochen ob sie eine Exibitionistin sei oder wie sie denn in so einem knappen Outfit überhaupt so gut kämpfen könne.

"What kind of perverted outfit is this?"

Und so begaffen Typen geistesabwesend die Kämpferinnen, wenn sie einen Blick erhaschen können - und das passiert angesichts der Kostüme ständig. Was wohl als Satire der Fetischisierung von Frauenkörpern gedacht ist würde aber vielleicht besser funktionieren, wenn der Blick der Zuschauenden deutlicher auf die sabbernden Beobachter gerichtet würde, als eben die Sehgewohnheiten zu reproduzieren.

Noch schwieriger ist das wiederkehrende Motiv wehrloser und unfreiwillig entkleideter Frauen - ob ohnmächtig, betäubt oder gefesselt, mit verrutschtem Rock oder völlig nackt - die allesamt in einem erschreckend harmlosen Kontext dargestellt sind. Besonders verstörend bleibt eine Szene im Gedächtnis, in der sich Senketsu Ryuko trotz ihrer Gegenwehr aufzwingt und ihr erst die Kleider vom Leib reißt bevor er sich ihr "anzieht". Die Absurdität einer lebendigen Uniform ändert nichts daran, dass sexualisierte Gewalt durch eine männlich assoziierte Figur dargestellt wird, ohne weitere Konsequenzen zu haben und als witzige Slapstick verkauft.

Die Animationen halten auf hohem Tempo mit der absurden Story mit und selbst längere Actionszenen bleiben abwechslungsgereich genug, um nicht langweilig zu werden. Comedy und Slapstick haben ein erstklassiges Timing. Die Mischung aus düsterer Rache-Story und bizarren Einfällen passt. Die Charaktere gefallen. Und so sehr der größere Teil der Serie doch zu genießen ist, so sehr Überschatten Szenen wie die oben beschriebene das Gesamtbild.

Bisher wurden die ersten drei Folgen von Kill la Kill gesendet. Die dritte beendete den Prolog und lässt eine (actionreiche) Richtung für die nächsten Folgen erahnen. Folge 4 erscheint diese Woche und ich werde sie mir wohl wieder anschauen. Ich hoffe die Serie nutzt das vorhandene Potential zur Parodie besser und ohne die unnötige Reproduktion von der Kackscheiße, die sie eigentlich aufzeigen könnte.

Sofakissen

Erfinder des Facebook-Nicknames, Profeminist, Alltagsvegetarier, Ponyfreund, Internetbewohner, Podcaster. Gratuliert nie zu Geburtstagen.