Spiele des Jahres 2013

Dieser Artikel heißt "Spiele des Jahres", aber es geht nicht um die besten Spiele des Jahres. "Game of the Year" ist eine fragwürdige Auszeichnung, meiner Meinung nach noch weit fragwürdiger als etwa ein Oscar oder ein Grammy. Künstlerische Werke sind nicht vergleichbar, Ranking und Vorauswahl macht keinen Sinn. Deshalb liste ich hier nur die Neuerscheinungen auf, die ich im Verlauf des letzten Jahres gespielt habe.

9.03m

Ich habe vermutlich zu wenig persönlichen Bezug zum Tsunami, der Japan vor drei Jahren verwüstete, um dieses stille, kleine Spiel ergreifend zu finden.

Bioshock Infinite

Die ersten und die letzten 15 Minuten sind es vermutlich wert, Bioshock Infinite zu spielen. Dazwischen liegt ein gut gemachter, aber gewöhnlicher Egoshooter und eine Geschichte, die leider sehr wenig aus ihren Ideen, ihrer Welt und ihren Figuren macht. Außerdem scheitert der Versuch, überdeutlich Rassismus zu thematisieren und so wird er nur zu einem inhaltsleeren Hintergrund. Dass es dennoch fast durch die Bank positiv bewertet wurde, sollte dem Spielejournalismus zu denken geben.

Brothers: A Tale of Two Sons

Brothers ist ein wirklich schönes Spiel mit einer stimmigen Welt. Das gleichzeitige Steuern der zwei Brüder ist hakelig, aber interessant. Der Spielablauf ist linear, aber das ist fast egal. Ich merke, dass das Spiel bei mir Emotionen auslösen will und bei vielen Spieler_innen hat das wohl auch funktioniert. Aber doch bleib für mich am Ende nichts, als ein Gefühl der Leere. Vielleicht lag es an den misogynen Untertönen. Funktioniert hat Brothers für mich nicht. Mein ganzes Review gibt es bei herzteile.

Contrast

Mein liebstes voice acting des Jahres stammt von einem neunjährigen Mädchen. Contrast hat warmherzige Momente und gute Ideen, fühlt sich aber noch lange nicht zu Ende gedacht an. Schön ist das Spiel dennoch. Mein ganzes Review gibt es bei herzteile.

Divekick

Zwei Buttons. Einer zum Diven, einer zum Kicken. Als ich Freunden das Spiel erklärte, brauchten sie etwas länger, um die Einfachheit dieses Konzeptes zu verstehen. Sobald alle begriffen haben, dass das wirklich ernst gemeint ist, eröffnet sich mit Divekick eines der besten Party-Spiele seit Mario Party.

The Entertainment

The Entertainment ist wohl das Spiel über das ich dieses Jahr am meisten nachgedacht habe - obwohl oder weil ich die geringste Rolle spielte. Das interaktive Theaterstück lässt sich als Ergänzung zu Kentucky Route Zero sehen, spielt vor auf einem echten Theaterstück zu basieren und ist auch als Buch erhältlich. Etwas ausführlicher schrieb ich hier.

Gone Home

Viel wurde dieses Jahr über Gone Home geschrieben, doch ich scheitere schon daran, meine Gedanken zu einem einzigen Absatz zusammenzufassen. Vielleicht liegt es daran, dass es weniger Gedanken sind, die mir geblieben sind, sondern Gefühle. Und ich meine das nicht in einem kitschigen Sinne... Gone Home ist eher ein emotionales als ein verkopftes Spiel. Die Story ist nicht gerade subtil, aber umso wirkungsvoller.

Auf eine Art komme ich nicht von dem Gedanken los, es mit Bioshock Infinite zu vergleichen. Ich glaube Fullbright Company war in jeder Hinsicht erfolgreich, in der Ken Levine scheiterte. Es gab viel Kritik, Vorwürfe des Hypes um dieses Spiel, über das viele klassische Medien schrieben. Ich glaube es könnte passieren, dass wir bald auf das Spielejahr 2013 zurückblicken und hier einen wichtigen Meilenstein sehen.

Gunpoint

Fast kommt der Humor von Gunpoint zu selbstironisch daher, fast kommt sich das Spiel zu clever vor. Aber nur fast, denn das Scifi-Noir-Puzzle-Spiel ist wirklich so witzig, wirklich so clever und sieht wirklich so gut aus, wie alle sagen.

Hotline Miami

Das Spiel wirkt auf den ersten Blick wie eine extrem gewalttätige Hommage an Spiele im Dunstkreis des ersten GTA und eine Hommage an 80er-Jahre-Trash, hat aber ein überraschend taktisches Gameplay und einen fantastischen Soundtrack.

Kentucky Route Zero

Vermutlich wurden schon diverse Vergleiche zu den Filmen von David Lynch gezogen, aber Kentucky Route Zero lädt dazu auch ein. Vordergründig ein Point and Click Adventure ist es mehr eine Reise in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit langsam verschwimmen. Die angenehme, mysteriöse Verwirrung, die bleibt, ist dann auch das, was das Spiel mit David Lynchs Werken gemein hat. Ein nicht hoch genug zu bewertender Schatz, den die Indie-Szene da hervorgebracht hat. If you really do need a game of the year, here you have it.

Master Reboot

So sehr ich Spiele wie Penumbra, Amnesia und Outlast konzeptuell mag, so groß ist doch der Bogen den ich um sie mache. Eigentlich mache ich diesen Bogen bereits seit ich damals Doom 3 in einem abgedunkelten Raum spielte. Master Reboot spielte ich trotzdem, aufgrund eines vagen Gefühls, dass es weniger Horror ist, als sein Marketing vermuten lässt. Was ich mochte habe ich bei herzteile aufgeschrieben

Payday 2

Ich weiß nicht warum ich Payday 2 gekauft habe, aber es sah spaßig aus und ich mag Team-Basierte Koop-Shooter. Hab es leider noch nie Koop gespielt und muss mich daher über die katastrophale KI und die schwammige Steuerung aufregen.

Project Zomboid

Vergleiche funktionieren fast nie, ich versuche trotzdem mal es so zu beschreiben: The Sims trifft Minecraft trifft Diablo. Das Ziel in Project Zomboid ist das Überleben in der Zombieapokalypse - so lange wie möglich. Vorräte wollen gesammelt, Häuser zur Festung verbarrikadiert und Werkzeuge und Waffen gebaut werden. Essen nicht vergessen, Verletzungen verbinden und bei zu viel Stress nicht zusammenbrechen! Hält Zomboid was die bisherige Version verspricht, wird es das Zombiespiel von dem ich immer träumte.

Shelter

Ein Spiel, das in all den Jahresrückblicken viel zu wenig Beachtung abbekommt. Die wortlose Reise einer Dachs-Familie durch eine bedrohliche Umgebung war eine der intensivsten Erfahrungen die ich je in einem Videospiel hatte. Und ich meine damit nicht klassische Spannungsbögen, sondern ein wirkliches Gefühl des involviert seins in das Geschehen. Mehr zu Shelter schrieb ich hier.

The Shivah

Das erste Adventure von Wadjet Eye Games wurde dieses Jahr neu veröffentlicht. Nach keinen zwei Stunden ist The Shivah vorbei. Die Suche nach Antworten eines an seinem Glauben zweifelnden Rabbis lässt Spielenden aber auch nach dem Abspann noch genug zum Nachdenken übrig. Die Motive die die Story aufgreift sind eher philosophischer als religiöser Natur.

Skullgirls

Ich mag keine Prügelspiele. Also, natürlich mag ich Prügelspiele, so wie jede_r Prügelspiele mag. Aber ich mag sie nicht besonders. Aber Skullgirls mochte ich... sogar sehr. Sogar, obwohl ich nicht mal das Tutorial komplett schaffe. Die Figuren kommen nicht um die dem Genre anheftende zwanghafte Übersexualisierung herum, sind aber dennoch der Hauptgrund, der das Spiel so gut macht: durch die Bank interessante, coole, eigene Figuren. Und als würde das allein nicht schon reichen um aus der Masse herauszuragen ist die Spielmechanik noch ausgezeichnet.

Eine ähnliche Dissonanz zwischen wirklich guten, differenziert geschriebenen weiblichen Charakteren auf der einen und einer krassen Übersexualisierung auf der anderen Seite erlebte ich dieses Jahr auch bei Kill La Kill, das momentan wohl mein liebstes Anime sein dürfte.

Spelunky

Ich wollte Spelunky wirklich mögen. Lange wartete ich auf die PC-Umsetzung, dann wartete ich noch länger auf die Veröffentlichung über den Humble Store, weil ich Spiele lieber ohne DRM kaufe. Am Ende wollte ich nicht mehr warten und lud es mir bei Steam.

Das Warten wurde enttäuscht... nicht vom Spiel, das kann ich nicht einmal beurteilen. Ich startete das Tutorial und wurde von einer rassistischen Karikatur eines asiatischen Menschen begrüßt. Und dann kommt die "Damsel in Distress", eine blonde Frau, die es zu retten gilt. Die bewusstlos geprügelt wird, um sie herumzutragen. Die auch mal in tödliche Fallen geworfen werden kann. Die weibliche Figur wird nicht nur objektifiziert, sie wird vom Spiel zu einem wortwörtlichen leblosen Objekt gemacht.

Ja, schon klar. Hommage an die rassistischen und sexistischen Abenteuerfilme, auf die auch Indiana Jones anspielt. Rassismus und Sexismus unreflektiert mitzitieren (wie es Indiana Jones tut) oder sich dessen völlig bewusst sein und es noch einmal karikaturesk überzeichnen sind zwei Dinge. Spelunky ist geschmacklos und macht mir deshalb keinen Spaß.

The Stanley Parable

Der große Meta-Kommentar The Stanley Parable wurde passenderweise in dem Jahr (neu) veröffentlicht, in dem die erzählerische Non-Games wie Gone Home ihren großen Durchbruch erlebten. Diverse Klischees, Annahmen, Fehler und Widersprüche von Videospielen werden so clever und komplex miteinander verwoben, dass es leicht überfordernd werden kann. Zum Glück geht es dabei aber immer noch leichtherzig und witzig genug zu. Ein paar mehr Gedanken dazu gibt es bei herzteile.

The Wolf Among Us

The Wolf Among Us wird unfairerweise als Telltale's Nachfolger zu The Walking Dead wahrgenommen - ein Vergleich, der nicht wirklich passt. In Mechanik und Stil ähneln sich die beiden Titel zwar, aber The Walking Dead ist unerreichbar. Dieses Spiel versucht auch gar nicht das Spiel des letzten Jahres zu erreichen und geht eigene Wege. Leider auch weniger divers. Mein ganzes Review gibt es auf herzteile.

Ich kaufte mir inzwischen auch die erste Ausgabe des Comics und stellte dort verwundert fest, dass Snow White von Telltale stark umgeschrieben wurde. Ist sie im Spiel sehr passiv, gibt sie im Comic bereits auf den ersten Seiten ständig Kontra - ob dem manipulativen Pick Up Artist Prince Charming oder dem grimmigen Bigby Wolf.

Tomb Raider

Bei allen Problemen und Kritik mochte ich das Reboot von Tomb Raider. Der Fokus auf Action nervt, das Survival gegen Anfang des Spiels und die Schleich-Passagen sind deutlich interessanter. Das Beste ist aber der Teil nach dem Abspann, wenn die Spielwelt fast ohne Gegner erkundet werden kann. Dann fühlt es sich auch wirklich wie Tomb Raider an. Ich bin gespannt auf Teil 2.

The Walking Dead

Die ersten Reviews zu "All That Remains", der ersten Episode der 2. Staffel von Telltales The Walking Dead, wurde mit gemischten Kritiken aufgenommen. Positiv, aber verhalten. Das Erbe, das die erste Episode antritt, ist das einer ganzen Staffel - und eines der besten Spiele des vorletzten Jahres. Unfair ist der Vergleich trotzdem, denn der Maßstab für diese erste Folge muss auch die letzte erste Folge sein. Und die war schwächer als "All That Remains". Die Episode selbst opfert ihre dichte Atmosphäre, um den Ausgangspunkt für die nächsten vier Episoden zu setzen - und das gelingt.

Sofakissen

Erfinder des Facebook-Nicknames, Profeminist, Alltagsvegetarier, Ponyfreund, Internetbewohner, Podcaster. Gratuliert nie zu Geburtstagen.